Vermögensarchitektur und Unternehmensnachfolge gehören untrennbar zusammen.

Viele Unternehmer investieren Jahrzehnte in den Aufbau ihres Unternehmens, entwickeln jedoch keine strukturierte Vermögensarchitektur, um das Vermögen auch im Rahmen der Nachfolge einfacher übertragen zu können.

von Dr. Heribert Warken

Einleitung

Vermögensarchitektur für Unternehmer beginnt lange vor der Unternehmensnachfolge

Viele Unternehmer investieren Jahrzehnte in den Aufbau ihres Unternehmens, entwickeln jedoch parallel keine strukturierte Vermögensarchitektur, um ihr Vermögen langfristig zu sichern und nachfolgegerecht zu gestalten.

In den vergangenen Jahren habe ich im Rahmen der Begleitung zahlreicher Unternehmensnachfolgen immer wieder ein ähnliches Muster beobachtet:

Nicht das Unternehmen war das eigentliche Problem – sondern die Struktur des aufgebauten Vermögens.

Viele erfolgreiche Unternehmer konzentrieren sich über Jahrzehnte auf den Aufbau ihres operativen Unternehmens. Mit großem Engagement werden Werte geschaffen, Mitarbeiter aufgebaut und Gewinne erwirtschaftet.

Diese Gewinne fließen anschließend häufig in eine Holdinggesellschaft oder in das Privatvermögen.

Ab diesem Zeitpunkt verändert sich jedoch die Aufgabenstellung.

Denn neben dem operativen Unternehmen entsteht nun ein zweites System: das Vermögen.

In der Praxis wird dieses Vermögen jedoch häufig nicht nach einer langfristigen Strategie aufgebaut. Einzelne Investments entstehen aufgrund von Empfehlungen aus dem persönlichen Umfeld, Gesprächen mit Freunden oder Geschäftspartnern oder weil sich gerade eine interessante Gelegenheit ergibt.

Jede einzelne Entscheidung mag für sich betrachtet sinnvoll sein.

In ihrer Gesamtheit entsteht jedoch häufig keine Vermögensarchitektur, sondern eine Ansammlung unterschiedlicher Vermögenswerte ohne klar definierte Aufgaben innerhalb eines Gesamtsystems.

Gerade im Rahmen einer Unternehmensnachfolge zeigt sich dann, welche Folgen eine fehlende Struktur haben kann. Was über viele Jahre organisch gewachsen ist, muss im Nachfolgeprozess häufig zunächst neu geordnet, steuerlich strukturiert und strategisch aufeinander abgestimmt werden.

Aus meiner Sicht sollte Vermögensarchitektur deshalb nicht erst mit der Nachfolge beginnen.

Sie sollte parallel zum Vermögensaufbau entstehen.

Denn langfristig geht es nicht nur darum, Vermögen zu schaffen, sondern es so zu strukturieren, dass es auch über Generationen hinweg handlungsfähig, transparent und belastbar bleibt.

Vermögensarchitektur ist ein System

Ein erfolgreiches Unternehmen besteht aus zahlreichen Funktionen, die ineinandergreifen. Produktion, Vertrieb, Finanzierung und Controlling erfüllen jeweils unterschiedliche Aufgaben.

Für privates und unternehmerisches Vermögen gilt derselbe Grundsatz.

Jede Vermögensklasse übernimmt innerhalb des Gesamtsystems eine eigene Funktion.

Erst das Zusammenspiel dieser Funktionen schafft Stabilität, Flexibilität und langfristige Handlungsfähigkeit.

Die Aufgaben einzelner Vermögensklassen

Eine Vermögensarchitektur kann beispielsweise folgende Bausteine umfassen:

Unternehmen

Sie schaffen Wertschöpfung und bilden häufig den Ursprung des Vermögens.

Immobilien

Sie sorgen für Stabilität, laufende Cashflows und Inflationsschutz.

Beteiligungen und Wertpapiere

Sie ermöglichen langfristiges Wachstum und internationale Diversifikation.

Edelmetalle

Sie dienen dem Schutz des Vermögens in wirtschaftlich unsicheren Zeiten.

Liquidität

Sie schafft Handlungsfähigkeit. Chancen können nur genutzt werden, wenn ausreichend Liquidität vorhanden ist.

Internationale Strukturen

Sie reduzieren Konzentrationsrisiken und eröffnen zusätzliche wirtschaftliche Möglichkeiten.

Keine dieser Vermögensklassen ist für sich allein die „beste“ Anlageform. Ihre Bedeutung ergibt sich ausschließlich aus ihrer Funktion innerhalb des Gesamtsystems.

Die eigentliche Fragestellung

Aus meiner Sicht lautet die entscheidende Frage nicht:

„Welche Anlageklasse ist die beste?“

Sondern:

„Welche Aufgabe erfüllt diese Vermögensklasse innerhalb meiner gesamten Vermögensarchitektur?“

Diese Perspektive verändert häufig den gesamten Blick auf Vermögensentscheidungen.

Typische Schwachstellen

In der Praxis begegnen mir regelmäßig ähnliche Strukturprobleme:

  • hohe Vermögenskonzentration in einer Anlageklasse,
  • fehlende Liquiditätsreserven,
  • unzureichende Nachfolgeplanung,
  • steuerlich nicht optimierte Strukturen,
  • fehlende internationale Diversifikation,
  • fehlende Abstimmung zwischen Privat- und Unternehmensvermögen.

Diese Risiken entstehen selten durch einzelne Investments. Sie entstehen durch fehlende Architektur.

Vermögensarchitektur ist langfristiges Denken

Vermögen entwickelt sich nicht durch kurzfristige Marktbewegungen. Es entwickelt sich durch konsequente Strukturarbeit über viele Jahre.

Deshalb verstehe ich Vermögensarchitektur als einen fortlaufenden Prozess.

Die Aufgabe besteht darin, Vermögenswerte so zu strukturieren, dass sie

  • Erträge erwirtschaften,
  • Risiken begrenzen,
  • Liquidität sichern,
  • Generationen verbinden und
  • langfristig Stabilität schaffen.

Gerade in den jetzigen bewegten Transformationszeiten ist es wichtig resiliente Vermögensstrukturen aufzubauen. Hier sind die mittelständischen Unternehmen, anders als noch vor wenigen Jahren nunmehr gezwungen, sich auch internationaler aufzustellen und auch ausserhalb des Heimatlandes sich Einkunftsquellen zu erschließen.

Diese Strukturen können jedoch nicht von jetzt auf gleich aufgebaut werden, sondern müssen vorbereitet sein. Daher ist es notwendig, dass man diese Strukturen jetzt aufbaut.

Fazit

Langfristig erfolgreiche Unternehmer investieren nicht nur Kapital.

Sie entwickeln Strukturen !

Eine durchdachte Vermögensarchitektur verbindet unterschiedliche Vermögensklassen zu einem belastbaren, re4silienten Gesamtsystem. Nicht einzelne Investments entscheiden über nachhaltigen, generationsübergreifenden Vermögenserhalt. Entscheidend ist die Architektur, in die sie eingebettet sind.

Über den Autor

Dr. Heribert Warken ist Wirtschaftsprüfer, Steuerberater und Sachverständiger für Unternehmensbewertung.

Seine Tätigkeitsschwerpunkte liegen in der Unternehmensbewertung, Unternehmensnachfolge, Vermögensarchitektur sowie der Strukturierung von Unternehmer- und Immobilienvermögen im In- und Ausland.